#14 - Von Zahnpasta, Floskeln und der Sprache

Ausgabe 14 dreht sich um natürliche Sprache, eine wirklich abgedroschene Floskel und Zahnpasta! 

Willkommen

Wer schon immer wissen wollte, wie Trackingdaten genutzt werden und warum man höchstwahrscheinlich bereits in einer Datenbank für Merkmale von Gesichtern gespeichert wurde, liest einfach weiter.

Viel Spaß beim Lesen!

GPT-3 mal wieder

Microsoft möchte helfen, mit natürlicher Sprache Apps zu entwickeln. Dazu wird GPT-3 von OpenAI eingesetzt. Müssen Entwickler nun auch um ihre Jobs bangen? In diesem Fall würde ich derzeit noch zu Gelassenheit raten und den Beruf des Softwareentwicklers noch nicht ganz abschreiben. 

Der Zugang zu Erstellung von Applikationen wird mit No- oder Low-Codeansätzen erheblich vereinfacht. Es gibt viele talentierte Köpfe, die eine wirklich gute Idee haben, sie jedoch nicht umsetzen können, da sie keine Entwickler sind. Wenn durch Ausnutzung der natürlichen Sprache der Einstieg einfacher ist, finde ich das nicht verkehrt. Vom Prototyping ganz zu schweigen. Die Entwicklungskosten sinken, man kann Ideen schnell umsetzen und validieren.

Inwiefern sich solche Systeme im produktiven Einsatz durchsetzen, bleibt abzuwarten. Baukästen wie Wix, Jimdo, Shopify und Ähnliche zeigen, wie eine breitere Zugänglichkeit dazu führt, dass mehr Menschen ihre Ideen einfach und schnell am Markt platzieren können. 

Daten sind das neue Öl …

… Blablabla. 

Eine Floskel, die man im Bereich Daten einfach nicht mehr hören möchte. Nicht abstreiten kann man die Tatsache, dass manche Unternehmen Daten schürfen, wie die Texaner Öl Anfang des 20. Jahrhunderts. Warum nicht einfach das Internet systematisch nach brauchbaren Daten abgraben und diese Datenbank für gutes Geld anderen zur Verfügung stellen? Das muss sich Clearview gedacht haben. Besagte Firma hat systematisch im Web nach Bildern mit erkennbaren Gesichtern gesucht, nach eindeutigen Merkmalen analysiert, diese gespeichert und die Datenbank Ermittlungsbehörden und anderen Interessierten zur Verfügung gestellt. Man kann vermuten, dass jeder, der irgendwie mit einem Foto seines Gesichts im Internet zu finden ist, auch seine Merkmale in der Datenbank wiederfindet. 

Ja, ich weiß, wer nichts zu verbergen hat … Dennoch ist es aus meiner Sicht kritisch, irgendwelche Bilder zu nutzen. Glücklicherweise sehen das andere genau so und gehen gegen diese dubiose Firma vor. Ob das DSGVO-Verwaltungsmonster hierbei etwas ausrichten kann, wird sich klären.

Warum gerade diese Zahnpasta?

Man ist zu Besuch bei seiner Familie und verbringt dort ein paar schöne Tage. Nach der Rückkehr scrollt man nichts ahnend durch den Twitter-Feed und plötzlich wird Werbung für genau die Zahnpasta angezeigt, die im Elternhaus verwendet wird.

So ziemlich jeder kennt ähnliche Erfahrungen. Woher wissen die das? Haben die Kameras in meinem Mobiltelefon? Hören die mit? Das war bestimmt Alexa! (Oder Cortana, Google, Siri)

Warum Werbung für genau diese Produkte ausgespielt wird, hat Robert Reeve in einem wirklich guten Twitter Thread erläutert (hier in besser lesbarer Form). Und siehe da, die müssen gar nicht mithören oder meine Kamera hacken. Das geht alles viel einfacher. Schöne neue Tracking- und Daten-Welt.

Links gegen die Langeweile

ELIZA war der erste (bekannte) Chatbot. Wer sich für den Originalcode interessiert, kann sich diesen hier anschauen.

Einen positiven Blick auf künstliche Intelligenz wirft eine Dokumentation des ZDF – Anschaubefehl!

Wahrscheinlich hat eine autonome Drohne einen Menschen getötet, ohne dass es einen expliziten Befehl dazu gab? Irgendjemand muss doch das Modell zu Ermittlung der Zielpersonen erstellt haben, oder? 

Und warum Daten eben nicht das neue Öl sind, erklärt John Naughton von The Guardian hervorragend in seinem Artikel Data isn’t oil, whatever tech commentators tell you: it’s people’s lives