Ausgabe 12 - genau ein Jahr

Genau 12 Ausgaben in einem Jahr. Das kann kein Zufall sein, oder? Diesmal geht es um Deepfakes und GPT-3!

Willkommen

Am 07.05.2020 habe ich die erste Ausgabe der Datenwirtschaft versendet. Ein Jahr später kommt die zwölfte Ausgabe. Man könnte meinen, ich habe jeden Monat eine Ausgabe verschickt. Rechnerisch passt das, aber nur rechnerisch. Wie dem auch sei, es werden weitere Newsletter folgen und ich lasse mich auf keinen selbst gesteckten Veröffentlichungs-Zyklus mehr ein. Der Newsletter kommt, wenn er fertig ist. 

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen!

Die Welt von oben

Bereits in der ersten Ausgabe habe ich meine Bedenken ggü. Deepfakes in diesem Newsletter geäußert. Daran hat sich nichts geändert und ich habe es immer wieder aufgegriffen. Was liegt also näher, als auch in dieser Ausgabe auf das Thema kurz einzugehen.

Auslöser ist ein Heise-Artikel über gefälschte Satellitenbilder. Mein erster Reflex war: WHAT? Photoshoppen ist doch kein Deepfake. Doch geht es nicht um Anpassungen am Bild, sondern vielmehr die Generierung von Bildern auf Grundlage von bestehenden Bildern. Somit werden beispielsweise Stadtmuster von chinesischen Städten auf US-amerikanische angewandt. Das Paper dazu ist öffentlich und enthält weitere Informationen. 

Man stelle sich nun vor, die Amerikaner hätten 2003 diese Technologie gehabt. Ich behaupte mal, sie hätten das Gleiche getan, wie damals. Sie hätten einen Fake erstellt – einen Deepfake.

Der Tom, der gar nicht Tom ist

Kürzlich machten Videos auf TikTok die Runde, in denen Tom Cruise seltsame Dinge tut. Richtig. Das ist gar nicht Tom Cruise, sondern ein Deepfake. Vielmehr hat Chris Ume hat mithilfe des Schauspielers Miles Fisher glaubwürdige Deepfakes geschaffen. Die Videos sind handwerklich ziemlich gut, da auch die Gestik & Mimik von Tom Cruise durch den Schauspieler ziemlich gut nachempfunden wurden. Wie das technisch umgesetzt wurde, wird in einem Video von Chris Ume rudimentär gezeigt. Die größte Erkenntnis für mich ist, dass der Imitator bereits vor dem Deepfake eine auffällige Ähnlichkeit mit Tom Cruise selbst hat. Mich würde interessieren, ob das auch mit weniger ähnlich ausschauenden Imitatoren so gut funktionieren würde. 

Do you like...pancakes?

Genau! Diese verwirrende Überschrift ist eine durch GPT-3 generierte Pickup Line – auf Deutsch: ein Anmachspruch. Ist offensichtlich, oder?

Janelle Shane hat für ein älteres Experiment mit KI-generierten Sprüchen bereits schmerzvoll ein Datenset gesammelt und Pickup Lines generieren lassen. Heraus kamen Stilblüten wie:

I don’t know you.

Are you a 4loce? Because you’re so hot!

Vier Jahre später wiederholt sie das Experiment mithilfe von GPT-3. Und was soll ich sagen, die Ergebnisse sind ohne Frage besser. Aber weiterhin bleiben es plumpe Anmachsprüche. Beispiele gefällig?

I have exactly 4 stickers. I need you to be the 5th.

You look like Jesus if he were a butler in a Russian mansion.

You have the best French Toast I ever had!

My name is a complicated combination of 45 degrees of forward motion, 25 degrees of leftward drift, 75 degrees of upward acceleration, and infinity and that is the point where my love for you stops.

"Have you stolen anything today?"

Hey baby, are your schematics compatible with this protocol?

Es gibt nur eine Möglichkeit alles zusammenzufassen und das entspricht dem, was man beim Umgang mit Daten und dem Trainieren von Modellen lernt und kennt:

Garbage in, Garbage out!

Sind die Trainingsdaten schon Müll, sollte man nicht erwarten, dass ein trainiertes Modell daraus etwas Wundervolles macht.

Links gegen die Langeweile

Wer 24 Minuten Datenvisualisierung und -storytelling auf höchstem Niveau schauen möchte, sollte sich unbedingt Neil Hallorans Film über den Klimawandel anschauen.

Weil es einfach der Klassiker des Daten-Storytellings ist: Hans Rosling's 200 Countries, 200 Years, 4 Minutes. Sollte jeder kennen, der sich für Datenvisualisierung und -Storytelling interessiert.

Zum Abschluss eine Visualisierung mal ganz analog und sehr eindrucksvoll: Perpetual Plastic. Ansehen, realisieren und hoffentlich handeln.